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Gardé electronic

garde_alt_1.JPGDie Gardé electronic ist, soweit ich weiß, bislang der einzige Versuch, eine elektronische Uhr mit einer zumindest auf den ersten Blick konventionellen analogen Anzeige zu verbinden. Die Uhr macht nicht nur einen edlen Eindruck, sie ist für den Gebrauch bei längeren Bedenkzeiten auch brauchbar, eignet sich aber wohl eher nicht für Blitzpartien. Das liegt nicht nur daran, dass sich der Minutenzeiger nach Ablauf jeder vollen Minute diskret um einen Minutenschritt weiterbewegt (da kann der Blättchenfall sehr überraschend sein), sondern auch daran, dass die zusätzliche digitale Anzeige zu klein und und recht gewöhnungsbedürftig ist. Die Gardé electronic ist – wahrscheinlich aufgrund der geringen Akzeptanz durch die Schachspieler – inzwischen von einem Nachfolgemodell abgelöst worden, das auf eine analoge Anzeige völlig verzichtet.

garde_alt_2.JPGDie Uhr verfügt außer den beiden Drückern oben auf der Uhr über drei Tasten auf der Unterseite (Bild).

Die Uhr wird mit der Taste »Enter« ein- und ausgeschaltet. Nach dem Einschalten zeigt die Uhr im Display die Nummer des zuletzt verwendeten Programms, wobei die Anzeige blinkt. In diesem Zustand kann durch Drücken der Tasten »+« oder »–« der optionale Zugzähler ein oder ausgeschaltete werden. Für den Turnierbetrieb sollte dieser Zugzähler abgeschaltet werden (das Display sollte »P01« oder eine ähnliche Anzeige zeigen, nicht »00«).

Grundbedenkzeit: Für die derzeit gängige Bedenkzeit von 2 h/40 Züge + 1 h/Rest verfügt die Uhr über ein voreingestelltes Programm. Nach dem Einschalten der Uhr drückt man noch einmal die Taste »Enter«. Je nachdem, in welchem Zustand sich die Uhr beim Ausschalten befunden hat, beginnt die Uhr sofort damit, die Grundposition der Zeiger für das gewählte Programm anzusteuern. Dies kann durch Drücken der Tasten »+« oder »–« unterbrochen werden. Wählen Sie nun durch wiederholtes Betätigen der Tasten »+« oder »–« das Programm »P05« und drücken Sie »Enter«. In den meisten Fällen werden nun beide analogen Uhren zu laufen beginnen und sich auf die Position für 15:00 Uhr einstellen. In der Mitte des Displays wird die Programmnummer »P05« und links und rechts die Zeit für die erste Partiephase »2:00« angezeigt. Die Uhr ist nun einsatzbereit.

Starten und Anhalten der Uhr: Das Starten und Anhalten der Uhr geschieht wie bei mechanischen Uhren durch Bestätigung der Drücker oben auf der Uhr bzw. dadurch, dass beide auf die gleiche Höhe gebracht werden. Die Uhr kann nur verstellt werden, wenn sie komplett angehalten wurde.

Nach dem Starten der Uhr zeigt sie auf der Seite, die in Gang gesetzt wurde, über der Anzeige der Restzeit ein blinkendes Kreuz an. Gleichzeitig vermindert sich die Anzahl der waagerechten Balken unter der entsprechenden Zeitanzeige alle drei Sekunden um einen Balken. Wenn alle zwanzig Balken verschwunden sind, springt der Minutenzeiger der analogen Uhr eine Minute weiter, die digitale Zeitanzeige wird um eine Minute reduziert und der Countdown der Balken beginnt von vorne. Die digitale Anzeige zeigt die noch vorhandenen vollen Minuten an; zu dieser Zeit kommen die durch die Balken repräsentierten Sekunden hinzu. Wenn die Bedenkzeit eines Spielers in einer Partiephase weniger als 10 Minuten beträgt, so zeigt die digitale Anzeige automatisch Minuten und Sekunden statt Stunden und Minuten an. Dies ändert aber nichts an dem Ablauf des Countdowns der Balken.

Veränderung der Bedenkzeit: Im Fall einer Zeitstrafe oder sonstigen Veränderung der Bedenkzeit ist die Uhr zuerst anzuhalten, in dem beide Drücker auf die gleiche Höhe gebracht werden. Nun kann mit den Tasten »–« (links) bzw. »+« (rechts) diejenige Seite ausgewählt werden, die neu gestellt werden soll. Es können auch nacheinander beide Seiten verändert werden (z. B. Zeitstrafe nach FIDE 9.5 b). Nach Auswahl der Seite kann mit den Tasten »+« oder »–« die Bedenkzeit minutenweise erhöht oder verringert werden. Ein Festhalten der entsprechenden Taste führt nach einigen Sekunden in einen beschleunigten Modus, der aber wahrscheinlich selten benötigt wird. Mit der Taste »Enter« wird die neu eingestellte Zeit übernommen. Nun kann entweder auch die andere Zeitanzeige wie beschrieben editiert oder die Uhr durch Betätigung des entsprechenden Drückers wieder in Gang gesetzt werden.

Grundsätzlich gilt: Zusätzlich vergebene Minuten werden nur in der digitalen Anzeige registriert. Der analoge Minutenzeiger bewegt sich nicht entsprechend zurück, sondern bewegt sich erst dann wieder vorwärts, wenn die digitale Zeitanzeige entsprechend abgelaufen ist. Dies kann besonders in der Zeitnot- oder Endspurtphase zu Verwirrung bei Spielern und Zuschauern führen. Bitte erklären Sie in einem solchen Fall diesen Sachverhalt kurz, aber deutlich!

Sollte es nötig sein, nicht nur ganze Minuten, sondern auch Sekunden einzustellen (z. B. Halbierung der Bedenkzeit im Fall FIDE 9.5 b), so müssen Sie die betreffende Uhr entsprechend höher einstellen und anschließend die überschüssigen Sekunden manuell ablaufen lassen, bevor Sie die Uhr wieder einsetzen.

Gehen Sie beim Umstellen der Uhr überaus konzentriert und umsichtig vor! Das Betätigen der Taste »Enter«, direkt nachdem die Uhr angehalten wurde, führt dazu, dass die Uhr alle gespeicherten Zeiten zurücksetzt und sich automatisch in die Startposition zurückbegibt. Es wird daher dringend empfohlen, wenn möglich nicht die von den Spielern tatsächlich benutzte Uhr zu editieren, sondern eine Ersatzuhr (wie unten beschrieben) neu zu stellen und diese dann gegen die zuvor benutzte Uhr auszutauschen.

Neueinstellen einer Ersatzuhr: Beim Neueinstellen sind grundsätzlich zwei Fälle zu unterscheiden:
1. Neueinstellen vor der Zeitkontrolle und
2. Neueinstellen nach der Zeitkontrolle.

1. Vor der Zeitkontrolle: Wählen Sie wie oben unter Grundbedenkzeit beschrieben das Programm »P05« aus und setzen Sie die Uhr in den Ausgangszustand. Setzen Sie die Uhr kurz in Gang und halten Sie sie anschließend gleich wieder an. Editieren Sie die Uhr nun entsprechend den von Ihnen angesetzten Restbedenkzeiten wie oben unter Veränderung der Bedenkzeit beschrieben und nehmen Sie sie anschließend durch Betätigung des entsprechenden Drückers wieder in Betrieb.

2. Nach der Zeitkontrolle: Gehen Sie wie oben vor, aber wählen Sie das Programm »P02« aus. Nach der Bestätigung mit »Enter« zeigt die Uhr »PE 1« (für Periode 1) und zwei Zeitanzeigen an, von denen die linke blinkt. Stellen Sie die linke Zeitanzeige mit den Tasten »+« oder »–« entsprechend der von Ihnen angesetzten Restbedenkzeit und bestätigen Sie die Eingabe mit »Enter«. Stellen Sie nun die rechte Zeitanzeige und bestätigen Sie die Eingabe erneut mit »Enter«. Drücken Sie nun die Taste »Enter« so oft (alle anderen Größen müssen auf »0:00« gestellt werden, falls sie nicht ohnehin so eingestellt sind), bis die Uhr damit beginnt, die analogen Anzeigen entsprechend Ihrer Vorgabe zu verändern. Wenn die Uhr mit dem Einstellen der analogen Anzeigen fertig ist, kann die Uhr durch Drücken des entsprechenden Drückers in Gang gesetzt werden.

Hinweise, Tipps und Warnungen: Schwache Batterien zeigt die Gardé electronic mit einem kleinen Strich unterhalb der Programmbezeichnung im Display an. Für das Ersetzen der Batterien wird ein Kreuzschlitzschraubenzieher benötigt. Außerdem empfiehlt der Hersteller nach dem Batteriewechsel einen Reset der Uhr. Ich zitiere aus der Bedienanleitung [sic!] des Herstellers:

Sie drücken den rechten Druckknopf (von der Rückseite der Uhr betrachtet) und sehen nun den Resetschalter auf der Leiterplatte neben der »Enter« Taste.

Zur Betätigung des Schalters kann der Schraubenzieher genutzt werden.

Dergleichen Sperenzchen überlässt der Schiedsrichter besser dem gastgebenden Verein, der sich wahrscheinlich noch glücklich schätzen kann, dass er die Uhr zum Batteriewechsel nicht an den Hersteller einschicken muss.

Grundsätzlich gilt für alle Uhren: Setzen Sie keine Uhren ein, bei denen schon zu Anfang des Mannschaftskampfes die Batterie-Warnung zu sehen ist. Tauschen Sie diese Uhren oder die Batterien aus! Bei einer Batterie-Warnung während eines Mannschaftskampfes besteht in der Regel kein Grund zur Sorge, da die Uhr anschließend noch mindestens 10 Stunden lang ihren Dienst verrichten sollte. Eine Ausnahme besteht allerdings, wenn die Uhr mit Akkus betrieben wird, da diese zu plötzlichem Spannungsabfall neigen.

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