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Der selbsternannte Assistent

Frage: Wir diskutieren im Verein immer noch über eine vielleicht gar nicht so ungewöhnliche Situation während des letzten Mannschaftskampfes in der Verbandsliga Bielefeld, also ohne anwesende Schiedsrichter:

Ich hatte meine Partie bereits beendet, die erste Zeitkontrolle nahte. Die meisten anderen Partien liefen noch, darunter auch die Partien beider Mannschaftsführer. An einem weiteren Brett zeichnete sich eine Zeitnotschlacht ab. Da beide Mannschaftsführer am Zug waren und ich nicht stören wollte, nahm ich mir ein Notationsformular, um mitzuschreiben, was ich den Spielern auch mitteilte.

Im 37. Zug bemerkte ich einen Klappenfall von Spieler A, Spieler B sah dies – in hochgradiger Zeitnot – nicht. Ich weiß, dass ein Schiedsrichter oder dessen Assistent dann die Uhr anhält, um die Zugzahl zu kontrollieren. Ein Zuschauer darf sich demgegenüber auf keinerlei Weise in eine laufende Partie einmischen. Wie sollte ich mich verhalten?

Im konkreten Fall habe ich – als Zuschauer – nichts gesagt, Spieler B (mein Mannschaftskollege) gab nach dem 41. Zug in klar verlorener Stellung auf. Mein Mannschaftsführer und Spieler B waren überhaupt nicht begeistert und meinten, ich hätte die Uhr anhalten müssen, auch wenn ich nicht ausdrücklich zum Assistenten bestimmt gewesen sei. Vorsorglich erteilte er für künftige Wettkämpfe allen Teammitgliedern die Erlaubnis, bei seiner Verhinderung zu assistieren (und in dieser Funktion die Uhr zu kontrollieren).

Hätte ich tatsächlich in der gegebenen Situation als Assistent handeln müssen? Und ist es möglich, im Voraus Vollmacht zur Assistenz zu geben oder bedarf dies der gesonderten Absprache beider Mannschaftsführer in jedem einzelnen Mannschaftskampf?

Antwort: Der erste und eigentliche Fehler war nicht Ihrer, sondern der der Mannschaftsführer. Beide hätten angesichts der Tatsache, dass sie durch ihre eigenen Partien daran gehindert waren, sich um ihre Aufgaben zu kümmern, die Mannschaftsführung vor dem Eintreten der Zeitnotphase wenigstens zeitweilig an ein anderes Mitglied der Mannschaft, das mit seiner Partie schon fertig war bzw. das sich nicht in Zeitnot befand (z. B. an Sie), übertragen sollen. Damit wären alle weiteren Probleme vermieden worden.

Nachdem Sie sich mit (eventuell schweigender) Zustimmung der beiden Spieler zum Assistenten für die von Ihnen beobachtete Partie gemacht hatten, hatten Sie natürlich auch die Pflicht, alle Aufgaben des Assistenten zu übernehmen. Zu diesen Aufgabe gehört neben der Notation der Züge auch und vorzüglich die Markierung des Zeitpunkts, zu dem das erste Blättchen fällt. Dies haben Sie versäumt. Ihre Unsicherheit in der Frage ist zwar verständlich, aber dennoch verstößt Ihr Verhalten gegen den Sinn des Einsatzes eines Assistenten. Dass Sie nicht von einem der Mannschaftsführer zum Assistenten gemacht wurden, sondern dies in Ansehung der vorliegenden Notwendigkeit selbst entschieden haben, macht Sie nicht zu einem „mitschreibenden Zuschauer“.

Doch wie oben gesagt: Das eigentliche Versäumnis ist den beiden Mannschaftsführern anzulasten. Eine dem Kampf vorhergehende Autorisierung ist weder möglich noch sinnvoll. Dies muss der Mannschaftsführer während des Mannschaftskampfes je nach Sachlage sinnvoll regeln.

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