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Berührt – geführt?

Frage: Bei einem Kampf in der Regionalliga in NRW, bei dem ein Schiedsrichter anwesend war, hat mein Gegner, als er am Zug war, zufällig eine Figur fallen lassen. Nachdem er sie aufgehoben und wieder aufgestellt hatte, habe ich ihn aufgefordert, mit der Figur zu ziehen. Er weigerte sich. Der anwesende Schiedsrichter hat entschieden, dass mein Gegner mit einer anderen Figur ziehen darf, weil er die Figur nicht in der Absicht berührt habe, sie zu ziehen. Da ich Partie gewonnen habe, kam es zu keinem Protest, trotzdem würde ich gern wissen, ob der Schiedsrichter korrekt entschieden hat?

Antwort: Die Entscheidung des Schiedsrichters war korrekt. In FIDE-Regel 4.3 heißt es:

Berührt der Spieler, der am Zug ist, den Fall von Artikel 4.2 [Zurechtrücken der Figuren nach Ankündigung] ausgenommen, absichtlich auf dem Schachbrett

a) eine oder mehrere eigene Figuren, muss er die zuerst berührte Figur ziehen, die gezogen werden kann […].

Hier stehen gleich zwei Bedingungen, die im Falle einer heruntergefallenen Figur nicht erfüllt sind: Das Wort absichtlich meint offensichtlich „in der Absicht, die Figur zu ziehen“ (auch die englische Fassung der Regeln ist hier nicht deutlicher: „if the player having the move deliberately touches“). Im Fall einer heruntergefallenen Figur erfolgt das Berühren der Figur aber in der Absicht, diese gemäß FIDE-Regel 7.3 wieder aufzubauen, also nicht absichtlich im Sinne der FIDE-Regel 4.3. Welche Absicht ein Spieler mit dem Berühren einer Figur verbindet, entscheidet der Schiedsrichter im Einzelfall aufgrund seines Sachverständnisses, seines Urteilsvermögens und seiner Objektivität (vgl. Vorwort der FIDE-Regeln).

Selbst wenn man dieses Verständnis von absichtlich nicht teilt, so steht in FIDE-Regel 4.3 zusätzlich eine weitere Bedingung: auf dem Schachbrett. Dies besagt ausdrücklich, dass ein Spieler, der eine Figur berührt, die sich nicht auf dem Schachbrett befindet, damit keine Verpflichtung nach FIDE-Regel 4.3 eingeht. Wer eine heruntergefallene Figur aufhebt und wieder an ihren Platz stellt, muss mit der Figur nicht ziehen.

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