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Wann ist ein Spieler „am Zug“?

Zurzeit wird anlässlich einer Armageddon-Partie zwischen Irina Krush und Anna Zatonski diskutiert, ob ein Spieler seinen Zug ausführen darf, wenn der Gegner noch nicht die Uhr gedrückt hat. Die Schachregeln sind hier recht eindeutig:

Fide 1.1 regelt, wann ein Spieler am Zug ist:

Ein Spieler „ist am Zug“, sobald der Zug seines Gegners ausgeführt worden ist.

Fide 4.6 regelt, wann ein Zug ausgeführt ist:

Sobald in einem regelgemäßen Zug oder Teil eines regelgemäßen Zuges eine Figur auf einem Feld losgelassen worden ist, kann sie nicht mehr auf ein anderes Feld gezogen werden. Der Zug gilt als ausgeführt, wenn alle notwendigen Anforderungen von Artikel 3 erfüllt worden sind … [RR: Fide 3 regelt, wie die Figuren ziehen.]

Diese Regeln gelten auch für Schachpartien, die ohne Schachuhr gespielt werden. Kommt die Schachuhr hinzu, ändern sich die oben genannten Regeln nicht, sondern es kommt mit Fide 6.8 a) eine weitere Regelung hinzu, die bestimmt, wann ein Zug vollständig abgeschlossen wurde:

Während der Partie hält jeder Spieler, nachdem er seinen Zug auf dem Schachbrett ausgeführt hat, seine eigene Uhr an und setzt die Uhr seines Gegners in Gang. Einem Spieler muss es immer ermöglicht werden, seine Uhr anzuhalten. Sein Zug gilt als nicht vollständig abgeschlossen, solange er das nicht getan hat, es sei denn, der ausgeführte Zug hat die Partie beendet (siehe Artikel 5.1 und 5.2). [RR: Fide 5.1 und 5.2 regeln das Partieende.]

Wohlgemerkt: Fide 6.8 a) hebt keine der vorangegangenen Regelungen auf, sondern ergänzt diese. Ein Spieler ist also auch beim Spiel mit einer Schachuhr am Zug, sobald der Gegner die gezogene Figur losgelassen hat. Er darf daraufhin sofort seinen eigenen Zug ausführen und anschließend seine Uhr drücken, sofern er dem Gegner die Gelegenheit gegeben hat, die Uhr zu drücken. Ein sofortiges Zurückdrücken der Uhr ist in diesem Fall von den Regeln ausdrücklich erlaubt.

4 Reaktionen zu “Wann ist ein Spieler „am Zug“?”
  1. MF

    Vgl. auch den Bericht bei chessbase.com

  2. KL

    Hallo,

    In den neuen Regeln steht
    [quote]Ein Spieler „ist am Zug“, sobald der Zug seinesGegners ausgeführt worden ist (siehe Artikel 6.7).[/quote]
    Neu ist der Verweis in der Klammer.

    Dazu habe ich gerade bei http://www.schachfeld.de/f17/blitzen-gegenziehen-8739/index5.html#post144073 folgendes gelesen:
    [quote]“Durch den Verweis auf Artikel 6.7 (gemeint ist insbesondere dort Buchstabe a) Satz 3) über die Handhabung der Uhr) wird klargestellt, dass in Partien, in denen eine Schachuhr benutzt wird, ein Spieler erst dann „am Zug“ ist, wenn der Gegner auch die Uhr gedrückt hat, es sei denn der Zug hätte die Partie bereits vollendet (Matt, Patt, „tote Stellung“, gültige Remisvereinbarung, Unerreichbarkeit eines Matts).“

    Quelle:
    Änderungen der FIDE-Regeln 2009
    von Ralph Alt (Internationaler Schiedsrichter)

    aus dem Ausbildungslehrgang für Nationale Schiedsrichter, Juni 2009[/quote]

    Setzt sich das als „offizielle Meinung“ durch, wird noch diskutiert oder ist das eine Einzelmeinung und alles bleibt beim Alten?

  3. MF

    Tja, schau’n wir mal. Ich halte den Zusatz für mehr als unglücklich, denn er hebt die vormals klare Unterscheidung zwischen einem »ausgeführten« und einem »vollständig abgeschlossenen« Zug wieder auf, die 6.7 einführt. Ich halte den neuen Zusatz zu 1.1 für kontraproduktiv und werde ihn in meiner Praxis, so lange es geht, ignorieren.

  4. MF

    Hierzu findet sich eine wichtige Klarstellung in den »Informationen der Spielleitung« von Turnierdirektor Ralph Alt vom 29.10.2009. Alt betont, dass der Zusatz zu 1.1 nicht in die Definition eingreift, wann ein Spieler am Zug ist. Es gilt also auch weiterhin das oben Gesagte.

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